Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren zu können, ist eine Herausforderung für Beschäftigte und Betriebe. Um die Vereinbarkeit zu stärken, hat der Gesetzgeber verschiedene Instrumente eingeführt, wie zum Beispiel die Eltern- und Pflegezeit oder die Brückenteilzeit . Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeit so flexibler gestalten. Die Unternehmen müssen dies einplanen, organisieren und umsetzen. Eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie des IAQ untersucht, wie die Arbeitgeber die gesetzlichen Ansprüche der Beschäftigten für eine souveräne Arbeitszeitgestaltung umsetzen und welche Mittel sie nutzen, um den Arbeitszeitausfall zu kompensieren. Die Untersuchung in vier Großbetrieben aus vier Branchen zeigt:
Unter den verschiedenen Arbeitszeitrechten der Beschäftigten sehen die Betriebe insbesondere die Elternzeit als Herausforderung. Mit Blick auf die Zukunft und den damit verbundenen demografischen Wandel ist den Unternehmen aber auch bewusst, dass die Pflegezeit in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen wird (siehe auch Beitrag Wer Angehörige pflegt, braucht Unterstützung).
Derzeit ist aber insbesondere der kurzfristige Personalausfall, der wegen des hohen Krankenstandes des Personals eintritt, ein Problem für die Arbeitgeber. Diese Arbeitsausfälle durch mehr Personal zu kompensieren, ist nur begrenzt möglich: Es gelingt den Unternehmen zunehmend schlechter, freie Stellen zu besetzen, da ein allgemeiner Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt herrscht.
Die Betriebe reagieren in der Regel nur situativ auf den Arbeitszeitausfall. Sie setzen sich bislang überwiegend nicht systematisch mit dem Wegfall der Arbeitszeit durch bestimmte Lebensereignisse auseinander. Stattdessen bestimmt die Vorlaufzeit, wie die Unternehmen auf den Wegfall der Arbeitszeit reagieren. Bei kurzfristigen Ausfällen können andere Mitarbeitende die Arbeitszeit durch eine Aufstockung auffangen oder Auszubildende werden stärker eingebunden. Eine (vorübergehende) Neueinstellung eignet sich in der Regel nur bei langen Vorlaufzeiten.
Dennoch werten die Unternehmen die Zeitrechte der Beschäftigten nicht negativ, sondern sehen sie auch als Vorteil im Kampf um Fachkräfte. Insbesondere bei Müttern komme es auf verschiedene Arbeitszeitregelungen an, um sie als Fach- und Arbeitskräfte im Betrieb zu halten (siehe auch Artikel Ungleiche Erwerbsbeteiligung und –unterbrechungen von Müttern und Vätern).
In der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) wurden vier Großbetriebe interviewt und die Erkenntnisse zusammengetragen. Die vier Unternehmen stammen aus den Branchen Verkehr, Banken, Chemie und Wasser. Insgesamt wurden 64 Personen aus allen Hierarchieebenen interviewt. Die Ergebnisse wurden in Form des 10. IAQ-Report des Jahres 2023 veröffentlicht.
Weitere Informationen zur wachsenden Bedeutung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf finden Sie in unserer Infografik Familienfreundlichkeit als Pluspunkt bei der Fachkräftesicherung.